Monatsrückblick Juli 2021

Der Monat Juli war gegenüber der Referenzperiode 1961-1990 an der Wetterstation
Dresden-Klotzsche um 1,7 Grad zu warm. Mit einem Monatsmittelwert von 19,7 °C lag er
aber lediglich an 16. Stelle der Rangfolge der Monatsmittel seit 1961 (61 Jahre). Der absolute
Hitzerekord wurde übrigens im Juli 2006 erreicht (23,5°C) und bleibt nach wie vor
unübertroffen.

Es wurden 218 Sonnenstunden registriert, ein Plus von + 17 Stunden gegenüber dem
offiziellen Referenzzeitraum 1961-1990. Den Rekord hält nach wie vor uneingeschränkt der
Juli 2006 mit 347 Stunden.

Die Summe aller Einzelmessungen des Niederschlags erreichte im Juli an unserer Messstelle
in Coswig 109,8 mm. Damit entsprach die Monatssumme 181 % des Normalwertes für
diesen Monat. Wir registrierten somit hinsichtlich der insgesamt gefallenen
Niederschlagsmenge einen weit überdurchschnittlichen zweiten Sommermonat. Dennoch
wurde der Coswiger Wert an den meisten Stationen Sachsens noch übertroffen (z.B.
Garsebach 144,7 mm oder Dresden-Klotzsche 128,7 mm).

Witterungscharakteristik:
Bereits Ende Juni 2021 stellte sich eine ausgeprägte Omega-Wetterlage über Mitteleuropa
(Trog-Keil-Trog-Muster) ein. Omega-Lagen sind dafür bekannt, dass sie sehr lange in einem
bestimmten Gebiet festsitzen und je nach dominantem Einfluss des Trogs (Höhentiefs) oder
alternativ des Keils (Höhenhochs) dann auch zu katastrophalen Regenmengen bzw. zu
langanhaltenden Dürren führen können. Diese die Westströmung blockierenden
Druckgebilde führen in der Regel zu einer bemerkenswerten Konsistenz der Wetterlage und
haben im Zuge des Klimawandels in Europa an Bedeutung gewonnen (Ursache: Veränderung
der Eigenschaften des Jetstreams).

Mit insgesamt ausgesprochen langsamer Ostverlagerung der Omega-Wetterlage gelangte
Deutschland im Laufe des Juli 2021 immer mehr in den Bereich des westlichen Höhentiefs
bzw. Troges, wobei Rekord-Niederschläge schließlich zur katastrophalen Hochwasserlage
über dem Westen Deutschlands führten (Abb.1).

Diese feucht-warmen Luftmassen bewegten sich gemeinsam mit dem Höhentief später
weiter langsam südostwärts und lösten besonders am 17. Juli nun auch kräftige
Niederschläge in Ostsachsen (Schwerpunkt Sächsische Schweiz) aus, die zu lokalem
Hochwasser führten (Abb.2). In Lichtenhain-Mittelndorf im Elbsandsteingebirge ist
beispielsweise eine Niederschlagssumme von 111 mm in 48 Stunden dokumentiert.

Ungewöhnlich scharf zeigte sich diese Grenze zwischen Starkniederschlägen im Osten
Sachsens und vergleichsweise weniger auffälligen Regenmengen im Westen Sachsens über
dem Dresdener Stadtgebiet (Abb.3). Der Raum Coswig blieb am 17. Juli, wie die Karte
andeutet, sogar weitgehend trocken. Die vorherrschend trockene Witterung dauerte hier
schließlich noch bis Ende des Monats an.

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Abb.1: Omega-Lage über Europa bzw. Trog-Lage über Mitteleuropa am 15.07.2021, dem Tag der katastrophalen Niederschläge in NRW und RP (Quelle: Berliner Wetterkarte)

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Abb.2: Omega-Lage über Europa bzw. Trog-Lage über Mittel- und Osteuropa am 17.07.2021, dem Tag der flächendeckenden Starkniederschläge in Ostsachsen (Quelle: Berliner Wetterkarte)

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Abb.3: 24-stündige Niederschlagssummen am 17. Juli 2021 in Sachsen (Quelle:
unwetterzentrale.de)

Autor: Wilfried Küchler