Monatsrückblick Juli 2022

Außerordentliche Dürresituation in Meißen-Coswig-Radebeul

Der zweite Sommermonat Juli präsentierte sich in unserer Region mit einer
Mitteltemperatur von 19,9 °C als um 1,9 Grad zu warm gegenüber dem
Klimareferenzzeitraum 1961-1990. lm Juli ist die Lufttemperatur in Dresden im Zeitraum
1961-2022 im Mittel bereits um 2.4 K angestiegen.

Die Sonne schien insgesamt 270 Stunden. Das entspricht einem Plus von 65 Stunden. Der Juli
2022 erreichte damit hinsichtlich Ranking aller Julimonate seit 1961 Platz 10. Im Juli hat die
Sonnenscheindauer in Dresden im Zeitraum 1961-2022 durchschnittlich um 46 Stunden
zugenommen.

Nach dem bereits außerordentlich trockenen ersten Halbjahr 2022 brachte nun der zweite
Sommermonat Juli im Vergleich zum Referenzwert 1961-1990 ein noch markanteres
Niederschlagsdefizit. Die Summe aller Einzelmessungen des Niederschlags lag im Juli in
Coswig bei nur 12,8 mm. Damit entsprach die Monatssumme lediglich 21 % des
Referenzwertes für diesen Monat. Die bisherige Niederschlags-Jahresbilanz 2022 kommt
inzwischen summarisch auf ein deutliches Minus von 135,5 mm. Die Dürresituation im
Boden erreichte somit ein mit dem extremen Dürrejahr 2018 vergleichbaren Zustand.
Dementsprechend waren die Pflanzen nun standortabhängig extremstem Trocken- und
zeitweilig auch Hitzestress ausgesetzt.

Aktuell zeigt der Dürremonitor des Umweltforschungszentrums Halle-Leipzig, dass sich die
anhaltende außergewöhnliche Dürre des Erdbodens bis in 1.8 m Tiefe in unserer Region
wieder voll etabliert hat. Die Pflanzen sind im Allgemeinen nicht mehr in der Lage, dem
Boden Wasser zu entziehen (Welkepunkt). Die Gartenfreunde in Coswig und Umgebung
versuchen nun, durch reichliches Gießen ihre Stauden, Sträucher und jungen Bäume vor dem
sicheren Vertrocknen zu retten.

Witterungsverlauf:
Berechtigte Hoffnungen auf ergiebige Regenfälle in unserer Region wurden immer wieder zunichte gemacht. Nicht nur Hochdruckgebiete gaben dafür den Ausschlag, sondern auch Abschwächung und Auflösung der heranziehenden Niederschlagszellen an der Ostflanke einer westlichen Strömung (infolge Divergenz in höheren Luftschichten / Abb.1) sorgten dafür, dass sich die ohnehin bereits sehr kritische Situation in Sachen Dürre nun im Juli noch erheblich verschärft hat. Die Brände in Sachsen an der Grenze zu Tschechien sind weiterhin nicht unter Kontrolle. Stärkere Regenfälle, die zur Eindämmung der Feuer nützlich gewesen wären, sind leider gerade auch in diesen Regionen Sachsens ausgeblieben. Auf tschechischer Seite hat sich die Situation bislang ebenfalls nicht verbessert.

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Abb.1: Höhenwetterkarte für 500 hPa vom 31. Juli 2022: Die Karte zeigt ein ausgeprägtes
Divergenzgebiet über Ostdeutschland. (Bildquelle: Berliner Wetterkarte / FU Berlin).

Autor: Wilfried Küchler