In Zeiten von Corona führen wir unsere Gartenberatung vorerst nur über das Infotelefon, samstags zwischen 9 und 12 Uhr, durch. Eine sehr besorgte Anfrage kam am 09.05.2020  aus Kötitz und bezog sich auf alarmierende Anzeichen von Absterbe-Erscheinungen bei bislang gesunden und reich fruchtenden Bäumen (Maulbeerbaum, Esskastanie). Wir haben uns die Baumpatienten an Ort Stelle angeschaut und möchten ausführlich antworten, da das gleiche Problem viele Gartenbesitzer (bei  vielleicht ganz anderen Baumarten) betreffen dürfte.

Inzwischen (11.05.2020)  hat es Regenfälle gegeben, aber dies ändert nichts an der Lage!

So retten Sie ihre größeren Bäume

Wir befinden uns gegenwärtig in einer Dürre-Situation, wie es sie mindestens seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im 19. Jahrhundert in unserem Raum noch nie gegeben hat. Neu ist vor allem, dass sich die Dürre inzwischen bis in große Tiefen von etwa 2 Meter und mehr erstreckt (Quelle: Dürremonitor des Umweltforschungszentrums Halle-Leipzig). Von allen Bundesländern ist dabei Sachsen - und ganz besonders die Region Meissen-Coswig-Radebeul - am stärksten betroffen. Bereits jetzt, unmittelbar nach Einsetzen des Frühjahrsaustriebes der Bäume, zeigen sich teilweise erhebliche Dürreschäden. Einige andere werden allerdings erst später im Jahresverlauf deutlich sichtbar werden. Es trifft gegenwärtig zum Entsetzen vieler Haus- und Gartenbesitzer leider auch Bäume, die schon viele Jahre oder Jahrzehnte alt sind und bislang noch nie Schwäche zeigten. Früher hatten diese alteingesessenen Bäume allerdings auch keine größeren Wasserversorgungs-Probleme, da es öfter regnete und zudem die Wurzeln durchweg noch das Grundwasserniveau erreichen konnten. Nun sinken aber etwa seit dem Jahr 2013 die Grundwasserspiegel bei uns ununterbrochen ab. Auch die tiefsten Wurzeln vieler großer Bäume kommen infolgedessen nun vielerorts an das kostbare Nass nicht mehr heran. Zahlreiche Bäume sind der außergewöhnlichen Situation nicht mehr gewachsen und nun bereits zum Opfer gefallen bzw. sind vertrocknet. In unserem Beitrag geht es uns jedoch nun vorrangig um diejenigen Bäume, die zwar ohne Hilfe von uns ebenfalls vor dem endgültigen Aus stehen, aber unter relativ geringem Aufwand durchaus oft noch zu retten sind.

Größere Bäume retten, wie soll das gehen? Wir haben im vergangenen Jahr in einer Art Experiment einen ersten Rettungsversuch an Großbäumen (Fichten, Mammutbäumen und Obstgehölzen) gestartet. Der erzielte Erfolg machte uns Mut, diesen Weg fortzusetzen und die gemachten Erfahrungen anderen betroffenen Bürgern zu vermitteln. 

Nun zu dem Vorgehen. Beseitigen Sie im Umfeld des Stammbereichs kreisförmig sämtlichen Pflanzenwuchs, vor allem aber unbedingt, falls dieser vorhanden sein sollte, den Rasen. Tragen sie eventuell eine geringe Bodenschicht ab, damit eine leichte Vertiefung entsteht, aber beschädigen Sie dabei vorhandene Wurzeln nicht. Legen Sie anschließend einen ausreichend hohen Giessring an, wie dies im Allgemeinen auch bei Neuanpflanzung von Bäumen geschieht (s. Foto). Beginnen Sie danach, am besten mit der Gießkanne, mit zunächst wenig Wasser zu gießen. Der sehr trockene Boden ist nämlich erst nach einiger Befeuchtungszeit überhaupt in der Lage, das Gießwasser optimal aufzunehmen. Später wässern Sie je nach Möglichkeit auch intensiver. Falls vorhanden, verwenden Sie hierzu am besten Regenwasser. Zeitversetzt über Tage sollten höhere Wassergaben dann unbedingt fortgesetzt werden. Dann kann auch der Wasserschlauch gute Dienste leisten. Bedenken Sie, dass das Wasser im Boden unter dem Baum bei der gegenwärtigen Dürre wirklich bis weit in die Tiefe vordringen muss, damit ein größerer und möglichst längerfristiger Effekt erzielt wird. Bei kleineren Bäumen besteht diese Problematik nicht, da reichen weitaus geringere Wassergaben vollkommen aus. Mulchen Sie nach Abschluss der Aktion den Boden innerhalb des Giessrings. Natürlich können auch andere Ursachen zum Absterben von Bäumen führen. Nur der Fachmann kann letztendlich abschätzen, was für Ursachen eine Rolle gespielt haben.

Noch etwas zum Wetter. Sicher wird es hier und dort in der nächsten Zeit mehr oder weniger regnen. Lassen Sie sich in diesen Fällen aber keinesfalls von dem oben beschriebenen Bewässerungsvorhaben abbringen. Denn die ausgeprägte Tiefendürre wird mit großer Wahrscheinlichkeit noch längere Zeit andauern. Ein Ende wäre erst durch langanhaltende und ergiebige Niederschläge im kommenden Winter (Grundwasserbildung ist in der Regel nur in dieser Jahreszeit zu erwarten) absehbar. Durch stärkere Sommerniederschläge kann sich jedoch der Trockenstress insgesamt für alle Pflanzen vorübergehend erheblich verringern. Auf diese Regenfälle warten nicht nur wir Gartenbesitzer, sondern ganz besonders Forst- und Landwirtschaft. 

Eine Anmerkung schließlich noch zum Klimawandel in Sachsen. Unsere Klimaprognosen bis zum Ende des 21. Jh. zeigen ohne Zweifel, dass wir mit immer wärmeren und im Sommer trockeneren Verhältnissen rechnen müssen. Allerdings ist nicht zu erwarten, dass diese momentane folgenträchtige Trockenheit nun über die nächsten Jahre einfach weiter andauern wird. Allerdings ist es auch für alle Fachleute mehr als überraschend, dass wir nun schon fast zweieinhalb Jahre ununterbrochen damit zu kämpfen haben. Es ist eine wirklich mehr als außergewöhnliche Situation. Wir hoffen insofern alle auf das Ende dieser extrem lang anhaltenden niederschlagsarmen Episode und bleiben optimistisch, dass diese alsbald der Vergangenheit angehören wird.

                                                                                                                       Quelle: duesseldorf.de

 

                                           INTERKULTURELLER GARTEN COSWIG e.V.                                                         

​Autor:Taslima Sayed